Medien

Stadt Pforzheim untersagt Fackelmahnwache

Mit Erleichterung nimmt das Bündnis Pforzheim nazifrei! zur Kenntnis, dass die Stadt Pforzheim am heutigen Freitagnachmittag die rechte Fackelmahnwache auf dem Wartberg zum Gedenktag am 23. Februar kurzfristig verboten hat. Die von der Stadtverwaltung dargelegten Gründe, die sich unter anderem auf die seit gestern in Deutschland verschärfte Sicherheitslage beziehen, teilt das Bündnis.

Gleichzeitig äußert das Bündnis seine Hoffnung, dass diese Einschätzung dauerhaft erhalten bleibt. Das gesellschaftliche Klima wurde und wird durch diese Fackelmahnwache nachhaltig vergiftet.

Medienberichte:

Unsere Anzeige mit 819 Unterzeichnern

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde des Bündnisses,

wir freuen uns sehr, dass wir nunmehr weit über 800 Einträge unter „Unser Aufruf“ des Bündnis haben und damit ein deutliches und wachsendes Zeichen in die Stadtgesellschaft senden können, dass wir in unserer Stadt und darüber hinaus solidarische gegen Hetze und Gewalt eintreten.

Bitte weisen Sie in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis weiter darauf hin, dass mit der Unterzeichnung des Aufrufes „Gesicht gezeigt wird“ gegen Hetze und Gewalt:

https://www.buendnis-pforzheim-nazifrei.de/unser-aufruf/

Unser bürgerschaftliches Engagement wird unter anderem durch eine Anzeige in der „Pforzheimer Zeitung“ sichtbar, die am Samstag erschienen ist und mit dem Stand vom 9. Februar insgesamt 819 Unterzeichner namentlich aufführt.

Wir danken der Pforzheimer Zeitung und insbesondere allen unseren bisherigen und auch zukünftigen Unterzeichnern! Dies ist ein wichtiges Zeichen zum 75. Gedenktag der Zerstörung Pforzheims, am 23. Februar 1945, und dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Wir danken für die Gestaltung zudem Jochen Baumann und für die Datenaufbereitung Besim Karadeniz.

Herzliche Grüße
Gerhard Baral für das Bündnis Pforzheim nazifrei – Solidarische gegen Hetze und Gewalt

Int. Pforzheimer Friedenspreis – ein Zeichen der Nachhaltigkeit

Das Bündnis Pforzheim Nazifrei hat mit seiner Initiative einen neuen Aufruf zum 23. Februar veröffentlicht und damit zum 75. Jahrestag des Gedenkens ein Zeichen gesetzt. Dieser Tag soll eine nachhaltige Bedeutung für die rund 90 % der Pforzheimer erhalten, welche nach 1945 hier eine neue Heimat gefunden haben. Das gilt auch für die Generationen, welche das Drama der Zerstörung selbst erleben mussten.

Unter dem Titel „Pforzheim, 23. Februar – Erinnern, Gedenken und Gestaltung“ wird ein klares Zeichen der Gedenkkultur gesetzt, aber auch ein Blick in die Zukunft gerichtet. Aus diesem Grund hat das Bündnis, auch weitere konkrete Projekte vorgeschlagen: Im Februar 2020 erstmals den „Internationalen Pforzheimer Friedenspreis“ zu verleihen. Die Arbeit für die Besetzung einer Jury, welche aus namhaften Pforzheimer Persönlichkeiten und den politischen Vertretern gebildet werden soll, ist abgeschlossen und kann sofort einberufen werden. Die organisatorische Arbeit für die Jury würde bei dieser Vergabe die Evang. Kirche Pforzheim übernehmen. Es ist völlig offen, welche Person mit dem Preis ausgezeichnet werden wird.

Weiterhin hat das Bündnis den Vorschlag unterbreitet, für einen breiten gesellschaftlichen Dialog ein Forum, ab Herbst 2020 einzurichten, unter dem Titel „Pforzheim Dialog der Religionen – Johannes Reuchlin“. Die Planung würde auch hier von einer breiten gesellschaftliche Arbeitsgruppe getragen werden: Aus dem „Rat der Religionen“, das sind 12 Glaubensgemeinschaften, gemeinsam mit der Hochschule Pforzheim und dem Bündnis. Auch hier würde im ersten Jahr der Umsetzung die Evang. Kirche die Federführung übernehmen.

Das Bündnis hat positiv registriert, dass sich Oberbürgermeister Boch für die Umsetzung des Friedenspreises mit der Vergabe 2020, gemeinsam mit den Vertretern der Gemeinderatsfraktionen beim Treffen der „Großen Runde zum 23. Februar“ ausgesprochen hatte.

Diese Chance, ein Zeichen zu setzen, was weit über die Grenzen der Stadt zum diesem Jahrestag hinaus geht, sollte unbedingt genutzt werden. Das Bündnis hofft, trotz derzeit anderer öffentlicher Stellungnahmen aus dem Rathaus, dass diese positive und unterstützende Reaktionen nunmehr auch in eine Zustimmung umgewandelt wird, damit die Arbeit zur Vergabe dieses Preises noch im Dezember 2019 erfolgen kann.

Größtes Pressegespräch in der Geschichte von Pforzheim: Bündnis Pforzheim nazifrei – Solidarisch gegen Hetze und Gewalt führt Arbeit weiter

(hintere Reihe von links nach rechts): Hans Mann, Felix Herkens, Georg Lichtenberger, Gerhard Baral, Dr. Hendrik Stössel, Christa Mann, Philipp Dörflinger, Timo Richardon; (vorhere Reihe von links nach rechts): Christoph Grosse, Christof Weisenbacher, Christiane Quincke, Heide Bentner, Uwe Hück, Rami Suliman, Dr. Hans-Ulrich Rülke, Christine Müh, Emre Nazli (Foto: Thomas Meyer/Pforzheimer Zeitung)

Im Mai 2019 hat sich gegen den Aufmarsch der Gruppierung „Die Rechte“ in Pforzheim, die unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht, das Bündnis Pforzheim nazifrei gebildet. Der Aufruf des Bündnis gegen diesen Aufmarsch wurde innerhalb von wenigen Tagen von über 700 Bürgerinnen und Bürgern unterzeichnet und an der Demonstration gegen Neonazis beteiligten sich über 2.000 Menschen.

Nach dem Anschlag von Halle hat das Bündnis innerhalb weniger Stunden eine Mahnwache an der ehemaligen Synagoge in der Zerrennerstraße mit über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt. Besonders viele Schülerinnen und Schüler aus den Gymnasien der Stadt beteiligten sich an dieser Kundgebung. Hierbei wurde auch die Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde Pforzheim zum Ausdruck gebracht.

Diese Aktivitäten und der Blick auf den 75. Jahrestag der Zerstörung Pforzheims am 23. Februar 2020, haben dazu beigetragen, dass die Organisatorinnen und Organisatoren des Bündnis und des in diesem Jahr gebildeten „Rat der Religionen Pforzheim“- das ist der Zusammenschluss von 12 Religions- und Glaubensgemeinschaften – das Bündnis als klares Zeichen gegen Hetze Gewalt weiter führen.

Das Bündnis hat dem Gemeinderat einen neuen Aufruf zum 23. Februar unterbreitet, mit dem Ziel, das Gedenken an die Opfer einzubinden mit Blick auf die Zukunft und eine würdige Gestaltung der Erinnerungskultur in Pforzheim. Ebenso wurde vorgeschlagen, zu diesem Jahrestag erstmals den „Internationalen Pforzheimer Friedenspreis“ zu vergeben und im Herbst 2020 ein Forum als „Dialog der Religionen – Johannes Reuchlin“ umzusetzen. Beide Projekte sollen dann in einem Zeitraum von zwei bis fünf Jahre durchgeführt werden.

In den Pressegesprächen mit der PZ und dem Kurier haben nahezu zwanzig Persönlichkeiten aus Pforzheim, als Einzelpersonen oder Vertretungen von Einrichtungen, Organisationen und Fraktionen, „Gesicht gezeigt zur Sicherung unserer Demokratie und haben damit ein deutliches Bekenntnis dazu abgegeben; ebenso haben sie ihre ihre Position gegen Hetze und Gewalt in unserer Stadt, in unserem Land deutlich gemacht“, so Gerhard Baral, Sprecher des Bündnis.

Der Landtagsabgeordnete von Pforzheim, Dr. Hans- Ulrich Rülke sagte „es ist Zeit, das Wort zu erheben gegen eine Partei im Landtag, welche eindeutig antisemitische Aussagen tätigt und die sich verachtend gegenüber Andersdenkenden äußert“.

Der Vertreter des CDU Stadtverbandes, Timo Richardon, betonte „es ist an der Zeit, dass alle Demokraten spätestens jetzt aufstehen gegen Gewalt und Hass“.

Für die SPD Gemeinderatsfraktion betonte sagte Stadtrat Uwe Hück: „Wir leben unter einem bunten Regenbogen, dies habe ich heute Vormittag als Bild für Schulkinder gesagt. Wer möchte schon unter einem brauen Regenbogen leben“. Hück weiter, „es ist eine Pflicht aller Bürger sich klar und eindeutig zu positionieren“. In dieser Richtung erklärten sich auch die Stadträte Emre Nazil (Grüne Liste), Felix Herkens (Bündnis 90/ Die Grünen), Christoph Weisenbacher (WiP/ Die Linke), Philipp Dörflinger (Junge Liste) und sagten ihre aktive Unterstützung des Bündnis zu.

Heide Bentner betonte für die engagierten Bürgerinnen in unserer Heimatstadt, „wir möchten diese braune Soße nicht in Pforzheim und zeigen klar, dass wir für eine offene Stadtgesellschaft stehen“.

Für die Kulturschaffenden im Pforzheimer Kulturrat und als Vertreterin des Kommunalen Kino betonte Christine Müh: „Wir sind mit dem Bündnis dabei, ein klares Zeichen für die Zukunft unser Stadt zu setzen als offene Gemeinschaft und dafür sind die Schaffung des Friedenspreis und des Forums ein nachhaltiges Zeichen.

Rami Suliman, von der Jüdischen Gemeinde Pforzheim, unterstrich, dass es etwas Besonderes ist, dass sich seine Gemeinde in ein solches Bündnis einbringe. Es ist „an der Zeit sich gemeinsam zu artikulieren, damit die neuen Nazis nicht weiter in die Gesellschaft wirken und es nicht zu weiteren Übergriffen kommt“.

Für den „Rat der Religionen“ betonte die Ev. Dekanin Christiane Quincke „für uns ist es wichtig neben dem Gendenken ein Zeichen mit allen Bürgern dieser Stadt zu setzen für den Dialog. Dazu ist dieses Bündnis ein deutliches Zeichen für einen Dialog in unsere Gesellschaft“.

Die Unterstützung des Bündnis ist auch für die Katholische Kirche, so Dekan Stellvertreter Georg Lichtenberger, „eine Verpflichtung und Selbstverständlichkeit für die Sicherung der Menschenwürde“. Pfarrer Dr. Hendrick Stössel hält es „für eine Bürgerpflicht jetzt Gesicht zu zeigen in der Öffentlichkeit, gegen Hetze und Gewalt“.

Die Trägerin der Bürgermedaille der Stadt Pforzheim und Vertreterin von Pro Asyl, Christa Mann, führte aus, dass „mit dem Bündnis es möglich wird auch die neuen Mitbürgerinnen noch mehr in die Stadtgesellschaft einzubringen“. Für die Löblichen Singergesellschaft Pforzheim betonte Hans Mann: „Mit der Zugehörigkeit zum Bündnis wird die Arbeit der Gesellschaft noch breiter aufgestellt. Das Thema der Verlegung der Stolpersteine wird weitergeführt als Mahnung zur Erinnerung.“

Christoph Grosse, als Vertreter von Pax Christi und der Initiative gegen Rechts, unterstrich „es ist ein sehr positiver Schritt, dass wir dieses breite Bündnis in Pforzheim geschaffen haben und damit ein klares Zeichen setzen, auch im Blick auf den 23. Februar, dass wir keine Neonazis in Pforzheim wollen – woher diese auch immer kommen.“